Nibelungen: 16. Aventiure


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(980) Das mußte er für seine edle Zurückhaltung büßen. Bogen und Schwert trug Hagen beiseite. Dann rannte er zur Linde, wo der Speer lehnte, und suchte nach dem Zeichen am Jagdgewand des Tapferen.

(981) Da der Herr Siegfried an der Quelle trank, traf Hagen ihn durch das Zeichen hindurch mit dem Speer, daß sein Herzblut im hohen Bogen aus der Wunde an Hagens Wams22 spritzte. Eine so schwere Untat kann heute kein Held mehr begehen.

(982) Hagen ließ ihm den Speer im Herzen stecken. Er selbst wendete sich in solch rasender Hast zur Flucht, wie er niemals vorher vor einem Menschen geflohen war.23 Als nun der Herr Siegfried die schwere Wunde fühlte,

(983) da sprang er in sinnloser Wut vom Brunnen auf. Von seinen Schulterblättern ragte eine lange Speerstange auf. Der König24 glaubte, Bogen und Schwert zu finden, und dann hätte Hagen den Lohn für seinen verräterischen Dienst empfangen.

(984) Als aber der Todwunde sein Schwert nicht fand, da hatte er nichts anderes als seinen Schild. Er riß ihn vom Rand des Brunnens hoch. Da rannte er auf Hagen los. Da konnte ihm König Gunthers Gefolgsmann nicht mehr entkommen.

(985) Wenn er auch tödlich verwundet war, er schlug doch noch mit solcher Wucht zu, daß viel edles Gestein aus dem Schild herausbrach und der Schild selbst völlig zerbarst. Der herrliche Held hatte nur noch den einen Wunsch, sich zu rächen.

(986) Da war Hagen unter dem Schlag Siegfrieds, von dessen Gewalt die ganze Halbinsel laut widerhallte, zu Boden gestürzt